Donnerstag 25.12.25

Verfasst von

in

Tancraville — Sainte-Opportune-la-Mare 16 Km

Da die Brücke verboten ist, will ich die Fähre in Quillebeuf-sur-Seine nehmen. Das Auto parke ich im Ort und radle zur Fähre, mit der ich auf die Nordseite übersetzen will, um noch einmal auf der Nordseite nach Tancraville zu fahren und dann zu Fuß zur Fähre zu laufen und dann endlich die Seine nord/süd mit der Fähre überqueren. Die Fähre ist auch da, aber kein Seemann, keine Autos = kein Fährverkehr? Eine Frau geht vom Auto Richtung Hauseingang- die frage ich, was hier los ist. Sie geht mit mir zum Anleger und liest sich schlau…ist gerade Mittagspause- hätte ich auch selber drauf kommen können, ist nämlich das selbe Wort im französischen wie im deutschen: PAUSE, noch ’ne 3/4 Stunde…Während ich mir überlege, schon mal ein Stück auf dieser Seite weiterzuwandern, um nicht zu frieren, kommt die Frau zurück und fragt, ob ich mit auf einen Kaffee reinkommen will? Ja, ich will! Die Familie hat sich bei Oma und Opa zum Weihnachtsessen getroffen, in der winzigen Küche, in der ich sitze steht schon ein gebratenes Hühnchen auf dem Schrank. Tee bekomme ich, leckeres Tiramisu, das eigentlich ein Mann, etwa in meinem Alter, gerne essen wollte, jetzt mir aber freundlich anbietet. Die Madeline lehne ich dann aber genauso ab,wie am Festessen teilzunehmen….Alle super freundlich, obwohl ich in ihr Familienfest geplatzt bin. Die Frau, die mich reingeholt hat, war früher schon in Lübeck, Hamburg und Bremen, ein Freund ihres Sohnes arbeitet in Hamburg. Sie erklärt ihrer Mutter, dass ich von der polnischen Grenze bis hierher an der Küste gewandert bin….Die Mutter sagt: Merde– das verstehe ich, heißt: Scheisse! Na, die mag wohl keine Deutschen, denke ich und fühle mich nur ein bisschen unwohl, weil die anderen so nett sind….Da sagt die Tochter, dass ihre Mutter schwer beeindruckt ist, von meiner Tour…tja, so schön kann man sich irren! Mutter und Sohn lade ich zu uns ein; sie wollen kommen…….

Der Fährbetrieb läuft wieder und nun geht’s so weiter wie geplant..

Obwohl hier Palmen, Bananen, Lorbeer, Mimosen und all so was wachsen, können die auch Frost…

und dann endlich die Seineüberquerung!!!

Diese größeren Flüsse sind wichtige Landmarken für mich: ich gehe lange darauf zu und dahinter beginnt etwas Neues, liegen neue Ziele. Elbe, Weser, Ems und Schelde gehören auch in diese Gruppe. Am anderen Ufer laufe ich weiter, dem Abend entgegen.

Am Nordufer liegt von Le Havre bis hierher viel Industrie, auch Petrochemie, die sieht und riecht man..

Hier ist es still, der Ginster blüht und manchmal ist der Weg nicht nur gut, sondern sehr gut ausgeschildert!

Im Wald werden Kindheitserinnerungen wach…

und ich komme an einer Miete mit Runkelrüben vorbei; auch schon lange nicht mehr als Viehfutter gesehen- allerdings müssen die Bauern hier und heute sie nur mit einer dünnen Strohschicht abdecken- wir sind weiter im Süden und es ist wärmer geworden.

In der Abendkühle haben es mir mal wieder die Rinder angetan: ruhig stehen sie da, weissen Atem ausstoßend…

Irgendwann ist der Halbmond das hellste Licht außerhalb der Ortschaften- Schluss für heute!