Kategorie: Pilgerweg Loccum-Volkenroda

  • Pilgerweg Loccum – Volkenroda

    Sonnabend, 25.10.2025. Anfahrtstag

    Ein neuer Weg!

    Dieser Pilgerweg schließt an an den Weg von der Jakobikirche in Hamburg über Kloster Mariensee nach Loccum.

    Vor über 10 Jahren, bei einem Besuch im Kloster Volkenroda, hat Christa ein Buch über diesen evangelischen Pilgerweg gekauft und mir geschenkt. Seitdem wollen wir ihn laufen……..Jetzt soll’s losgehen!

    Die Pflanzzeit hat begonnen und so können wir erst nach Ende der Öffnungszeit aufbrechen. Es ist zwar goldener Herbst, aber heute ist es auf 9 Grad abgekühlt, recht windig und regnerisch….

    In Loccum können wir zwei Nächte in der Pilgerherberge des Klosters bleiben. Die Buchung per Telefon und Internet war sehr unkompliziert und freundlich.

    Wir erkunden die Herbergsräume und gehen dann zur Hora, der Abendandacht, in die große Klosterkirche. Es nimmt nur eine Handvoll Gläubige an der Hora teil, aber die sind uns wunderbar zugewandt, segnen uns in einer kleinen Zeremonie für unsere Pilgerreise. Zwei Männer begleiten uns beim Rausgehen. Der eine, er hat den Segen über uns gesprochen, ist schon alt, geht am Rollator- aber er ist hellwach und erzählt begeistert, dass er diesen Pilgerweg zweimal gegangen ist, einmal von Loccum nach Volkenroda und danach in der anderen Richtung. Auch die Nordvariante des Jakobswegs in Spanien ist er gelaufen- also dort, wo wir auf dem E9 hin wollen und im Winterurlaub schon ein paar Stücke gegangen sind, sozusagen in seinen Spuren…..Der Jüngere, vielleicht in unserem Alter, erzählt von einem neuen Weg quer durch Europa, einem Zisterzienserweg. Den hat sein Bruder mit entwickelt und er läuft hier durch das Kloster. Morgen wollen wir uns genauer informieren. Mit einem Segensgruss verabschieden sich die beiden. Was für ein schöner, stimmiger Auftakt! So hatte ich mir das erhofft! Wir kaufen noch Kräuterbonbons (ich bin leider etwas angeschlagen) schließen den Nissan an einer Ladesäule an und gehen leckerst essen. Was für ein schöner Tag!

  • Sonntag, 26.10.2025

    1.Etappe. Loccum – Rastplatz vor Pollhagen. 12 Km

    Wir schlafen lange, denn der Wetterbericht hat nichts Gutes angekündigt: Regen mindestens bis Mittag und stürmisch den ganzen Tag…außerdem ist heute Nacht die Zeitumstellung. Nach dem späten Frühstück fahre ich das Auto nach Pollhagen und radle zurück. Um 12.00 Uhr starten wir zur ersten Etappe: nun aber schnell, wir sind um 15.00 Uhr zur Klosterführung angemeldet. Die macht heute Elfriede Tiedemann, bei der, und ihrem Mann Karl, wir übernachten dürfen, wenn wir in der Brauke arbeiten. Die Brauke ist unsere zweite Baumschule, keine 20 Km von hier, aber von Zuhause 150 Km. Im Torbogen gibt’s den ersten Pilgerstempel in den Pass!

    Zum Glück merke ich noch, dass ich den Autoschlüssel vergessen habe….Christa holt ihn…

    Noch regnet es, hört aber nach ein paar Minuten auf und bleibt bis zur Rückfahrt trocken! Wir verlassen das Klostergelände

    und erreichen den offiziellen Beginn des Pilgerwegs, einen Halbkreis auf 3 Säulen. Die andere Hälfte auf 4 Säulen steht in Volkenroda, etwa 300 Kilometer entfernt…

    Ein feuchter, wunderschöner Herbstwald empfängt uns. Wir sind glücklich!

    Die digitale Navigation mit Waymarked Trails funktioniert nicht- da müssen wir genau auf die Ausschilderung achten- funktioniert auch nicht- und schon haben wir uns verlaufen! Passt gar nicht, wenn man es eilig hat….

    Im Wald ist es einfach nur schön, auch wenn ich in der Ferne einen Baum umstürzen höre…., aber wir müssen auch auf einer Straße dem Wind trotzen. Christa hat schon gesammelte Schätze dabei, auch einen Grummelbär-Stern.

    In dieser Gegend hat Wilhelm Busch gelebt und gearbeitet:

    Wir beeilen uns, schaffen es aber nicht mehr rechtzeitig zur Führung, viel haben wir noch nicht verpasst. Elfriede macht das toll, mit vielen Geschichten und Anja, unsere Freundin und Mitarbeiterin, die Archäologin ist, kann auch noch einiges beitragen. Außerdem ist in der Gruppe ein Mann, der seine Familiengeschichte wohl bis zum zweiten Abt des Klosters (die durften damals heiraten) zurück führen kann……also 1200und – das finde ich schon krass!

    Christa geht dann noch in einen Taize-Gottesdienst – ich bin zu erschöpft und kalt und gehe lieber ins Bett… Der Gottesdienst ist mit großem, mehrstimmig singendem Chor, singend durch das Kloster ziehen und vielen Kerzen – so was Schönes hab‘ ich befürchtet zu verpassen…na ja, immerhin hat sich meine Erkältung nicht verschlimmert!

  • Montag. 27.10.2025

    Pollhagen – Stadthagen 11 Km

    Heute verlassen wir unsere schöne Klosterherberge- nicht ohne im Torbogen die Vorlage unseres Wanderzeichens zu fotografieren.

    Das Motto der Zisterzienser: die Tür steht offen, das Herz noch mehr. Das können wir für unsere Begegnungen in Loccum nur bestätigen, auch wenn’s jetzt evangelisch ist…

    In Pollhagen überqueren wir den Mittellandkanal

    und bei der Kirche lässt Christa nicht locker, bis sie den Pastor erreicht, damit er uns die Kirche aufschliesst.

    Hier gibt es den ersten Pilgerstempel unterwegs und die erste kleine Andacht…

    In einem unserer Wanderführer hatten wir von dem Lesepult in der Kirche erfahren: der ist von einem Chilenen indianischer Abstammung, der seit. Jahren die Welt bereiste, 1998 geschnitzt worden. Die 4 Evangelisten sind mit ihnen zugeordneten Tieren / Elementen dargestellt: Johannes, europäisch,mit Adler =Luft…..Matthäus,ein Maori, mit der Sonne = Feuer…..Markus, ein südamerikanischen Indianer, mit dem Löwen = Erde…..Lukas, ein nordamerikanischer Indianer, mit dem Stier = auch Erde

    Draußen ist es zwar windig, aber es regnet kaum. Es geht durch Dörfer, an Straßen entlang und durch Felder- wir haben nicht wirklich Lust zum Laufen…aber was soll’s, das Tagesziel heißt Stadthagen. Durch die schönen Wallanlagen, mit einem interessanten Baumbestand, erreichen wir den historischen Stadtkern.

    Die St. Martini Kirche ist unser Ziel ( und irgendein schönes, warmes Café oder Restaurant )- hier hoffen wir auf einen weiteren Stempel zum Abschluss unserer Tour. Die Kirche ist zu- wieder ist es Christa, die nicht locker lässt, beim Pfarrhaus die Telefonnummer des Küsters findet. Sie ruft ihn an und erreicht ihn in der Kirche beim Saubermachen. Was für ein netter Mann: er lässt uns, samt Fahrrad, rein und wir bekommen eine Privatführung durch Kirche

    UND Mausoleum des Fürsten Ernst von Holstein-Schaumburg aus dem frühen 17ten Jahrhundert.

    Fröhlich erzählt der Küstert aus vergangenen Zeiten -ein echter Eingeborener aus Stadthagen, hat Geburtstag am 27. 12., genau wie ich, ist aber 3 Jahre jünger…. Einen Stempel bekommen wir natürlich auch und so beschließen wir den Tag angefüllt mit beeindruckenden Bildern, Geschichten und einer besonderen Begegnung. Am von alten Häusern umstandenen Marktplatz könnenwir dann auch noch für unser leibliches Wohl sorgen. Unsere ersten Pilgertage, eben auch geistlich unterwegs zu sein, haben uns gut gefallen! Wir freuen uns aufs Weiterlaufen….